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Klärchen

Klärchen Nach Wuschels Tod, der recht schwer zu bewältigen war, war ich mir sicher, so schnell keine Katze mehr ins Haus zu holen. Kein Kratztier hätte es mit Wuschel aufnehmen können und ich wollte sein Andenken wahren (irgendwie hatte ich wohl Angst, dass er durch eine neue Katze in Vergessenheit geraten könnte).

Trotzdem sah ich mir regelmäßig die Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" an und ertappte mich auch dabei, wie ich mir doch bei der einen oder anderen Katze dachte, dass diese doch eventuell zu uns passen könnte. Aber ich blieb hart.

In einer dieser Sendungen war dann auch der VfhK (Verein für herrenlose Katzen, Trier) zu Gast, von dem wir ja auch Wuschel bekommen hatten. Wie immer waren viele schöne Tiere dabei, von denen natürlich jedes ein gutes Zuhause verdient hatte. Diesmal musste auch eine Katze im "Glaskasten" vorgestellt werden, weil sie sehr scheu und ängstlich war und sich nicht anfassen lassen wollte. Der Name der Katze war Klara und außer dass sie sehr zurückhaltend war hatte sie noch eine Besonderheit: Sie hatte nur drei Beine (ob durch einen Unfall oder von Geburt an, wusste man nicht). Klara sollte in einen ruhigen Haushalt, wo man ihr Zeit gab, selber zu entscheiden, wann und wie schnell sie Vertrauen fassen würde. Sie hatte zwar etwa zwei Jahre lang draußen gelebt, aber durch Beobachtungen war klar, dass sie aufgrund ihrer Behinderung besser als Wohnungskatze gehalten werden sollte.

Bei Klaras Anblick und ihrer Geschichte wollte ich eigentlich schon gleich zum Telefonhörer greifen, dachte mir aber sofort, dass ein Tier, dass im Fernsehen vorgestellt wird, ohnehin sehr gute Chancen auf ein neues Heim hat - also verwarf ich den Gedanken wieder.

Etliche Wochen nach der Sendung, in der Klara vorgestellt worden war, hielt ich es nicht mehr aus. Ich sprach mit Ralph über eine neue Katze und auch er hatte nichts dagegen, dass ich mich umhörte. Ich telefonierte mit Frau Kranz (Vorsitzende des VfhK) und fragte sie, ob in einer Pflegestelle nicht vielleicht eine liebe Wohnungskatze auf eine neue Familie wartete - auch bei diesem Tier war es uns egal, ob eventuell eine Behinderung oder fortgeschrittenes Alter die Vermittlung erschwerten (das waren wir ja alles schon von Wuschel gewöhnt). Nur eine Bitte hatte ich: Endlich doch mal eine Katze, die auch gestreichelt werden möchte. Frau Kranz war zuerst etwas zögerlich und rückte dann endlich mit der Sprache heraus: Eigentlich würde sie es uns ja gönnen, endlich mal ein völlig unkompliziertes Tier zu bekommen, aber in einer der Pflegestellen würde schon seit geschlagenen neun Monaten eine kleine, zierliche Katze auf Vermittlung warten. Diese Katze wolle niemand, da ihr ein Hinterbein fehle und sie in keinster Weise eine Beziehung zu Menschen habe. Der Name der Katze: Klara.

Es war genau die Katze, die ich Wochen zuvor im Fernsehen gesehen hatte und bei der ich schon fast angerufen hätte. Ich sagte Frau Kranz, dass wir durchaus bereit wären, uns Klara mal anschauen zu fahren. Sie war total froh darüber, dass ich nicht gleich ablehnte (sie konnte wohl schon ahnen, dass diese Katze wieder mal eine Herausforderung für mich wäre, der ich mich einfach stellen musste).

Ich rief am selben Abend noch bei Frau Spieles an, bei der Klara auf eine neue Familie wartete. Als ich ihr sagte, wir seien das Pärchen, das Wuschel damals bei sich aufnahm, wusste sie schon gleich über uns Bescheid und lud uns ein, am nächsten Abend doch einmal vorbeizuschauen.

Am nächsten Tag fuhren wir zu Frau Spieles, die uns ins Katzenzimmer führte. Ich schaute mich um, aber von Klara war nichts zu sehen. Wir mussten uns erstmal zeigen lassen, wo diese kleine Katze sich versteckte: Oben auf einem Regal eingerollt in ein Körbchen lag Klara und schaute mehr als misstrauisch um sich. Nach kurzem Gespräch war auch schon abgemacht, dass wir es mit Klara versuchen wollten. Die Schwierigkeit war nur, dieses Tierchen in die Transportbox zu bekommen (anfassen war ja nicht). Nach etwa 45 Minuten Jagd saß Klara dann geschafft (wie wir alle) in der Box und trat die Fahrt in ihr neues Zuhause an.

Die ersten zwei Wochen kam sie gar nicht runter von der Fensterbank (wir mussten ihr sogar die Katzentoilette darauf stellen). Doch ganz allmählich kam sie dann mal auf den Boden, drehte im Eiltempo eine Runde durchs Wohnzimmer, um sich sofort wieder zu verstecken. Sie merkte aber recht schnell, dass ihr bei uns nichts passiert und wie toll man doch mit Fellmäusen etc. spielen kann.

Mitlerweile haben wir Klärchen (wie wir sie nennen) schon über ein Jahr und sie ist eine anhängliche, fröhliche und sehr mitteilungsbedürftige Katze geworden, die sogar unglaublich gerne mit mir schmust (aber nur auf ihrem Kratzbaum, bis auf den Schoß zu springen, bis dahin ist es noch ein weiter Weg). Auch mit den Hunden gibt es keinerlei Probleme - man kann sogar regelmäßig beobachten, wie die beiden Hunde mit der Katze dazwischen auf dem Sofa liegen.

Ich kann gar nicht verstehen, dass niemand diese wirklich coole und witzige Katze haben wollte. Auch bei ihr hat es sich mal wieder ausgezahlt, einfach geduldig zu warten, bis sie soweit ist. Für uns war Klärchen ein echter Volltreffer!


01.10.2006

Weil Klärchen sich so super bei uns eingelebt hatte, durfte sie bei schönem Wetter auch regelmäßig ihren Freigang genießen. Da wir das Glück haben, so zu wohnen, dass keine Straße direkt am Haus vorbeiführt, war das auch kein Problem - schließlich nutze Klärchen ihre Ausflüge fast ausschließlich zum Sonnenbad im Garten. In der Regel war sie dann nach längstens zwei Stunden wieder da und wartete geduldig vor der Terassentür, bis einer der Hunde anschlug, um ihr Ankommen gebührend zu verkünden. Falls nötig, brauchten wir sie andernfalls aber auch meist nur kurz zu rufen, und wenig später kam sie auch schon um die Ecke und bahnte sich ihren Weg an den Hunden vorbei zu ihrem Schlafplatz.

2 1/2 Jahre lief dieses Ritual ohne irgendwelche Zwischenfälle ohne Problem, bis Klärchen am 30.08.2005 nach einem Gewitter plötzlich nicht mehr von einer ihrer kleinen Touren zurückkam. Trotz umfangreicher Suchaktionen inkl. Mobilisierung der Nachbarschaft ist Klärchen bis heute nicht wieder nach Hause gekommen. Obwohl wir mittlerweile nicht mehr wirklich daran glauben können, Klärchen noch einmal wieder zu sehen, hält sich doch wacker ein Restfunken von Hoffnung, dass sie plötzlich wieder vor der Tür steht.





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